Okuli

Jesus ist auf dem Weg nach Jerusalem. Und die Leser:innen des Lukasevangeliums wissen natürlich, wohin dieser Weg führen wird – hin zu Kreuz und Tod. Und unterwegs begegnen Menschen Jesus, die mit ihm mitgehen wollen. Einen warnt Jesus: Wenn du mit folgst, dann geht es dir schlechter als Füchsen, die ihren Bau haben und Vögeln, die ihr Nest haben: denn wo er hingeht, da gibt es keinen Ort, um sich hinzulegen und sich auszuruhen.

Andere fordert Jesus auf, mitzugehen. Zwei Antworten berichtet Lukas, von solchen Menschen. Einer sagt: „Herr, erlaube mir, dass ich zuvor hingehe und meinen Vater begrabe.“ Eine andere Antwort lautet: „Herr, ich will dir nachfolgen; aber erlaube mir zuvor, dass ich Abschied nehme von denen, die in meinem Hause sind.“

Bitten, die sich ja wohl schlecht abschlagen lässt. Nichts, das unvernünftig wäre, könnte man meinen.

Jesus schlägt beiden das aber ab: Die Toten sollen doch selbst ihre Toten begraben. Und wer noch Abschied nehmen muss, ist nicht bereit, denn: „Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.“

Da spricht eine Rücksichtslosigkeit aus Jesus, die ich zuerst einmal nicht gewohnt bin, die mich erst einmal abstößt. Denn was soll schon wichtiger sein, als die Beerdigung der eigenen Eltern? Und einfach abhauen, um einem Wanderprediger nachzulaufen, ohne allen zu sagen, warum man weg ist – das geht doch nicht.

Jesus macht deutlich: wenn Gott uns ruft, wenn es wirklich auf etwas ankommt, dann tritt vieles andere in den Hintergrund. Es braucht Menschen in Gottes Reich, die vorangehen, die – wie der Bauer hinter seinem Ochsengespann – darauf achten, wohin es geht. Nicht den Blick nach hinten gewandt (was bei Pflügen dazu führt, dass die Zugtiere nicht mehr gerade gehen), sondern mit Blick nach vorne. In die Zukunft, auf das was kommt.

Das kann verletzend sein, weil dabei vielleicht Dinge unter den Pflug kommen, die manche noch gerne weiter gepflegt und gehegt hätten – aber es braucht den Blick zum Horizont, um neues zu erreichen. Um den Boden vorzubereiten für das, was die Zukunft bringt.

„Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.“

Bibeltexte aus: Lutherbibel, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart und BasisBibel, © 2021 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

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